FCE legt Zahlen zur Wirtschaftskraft und zum Stadion auf den Tisch
Die Stadt Cottbus diskutiert über den wirtschaftlichen Wert des FC Energie. Jetzt präsentiert der Verein spannende Zahlen. Auch der Preis für ein mögliches neues Stadion wird schon genannt.
Noch immer ist die Euphorie nach dem Aufstieg des FC Energie Cottbus in die 2. Bundesliga groß. Doch auch darüber wird diskutiert: Was bringt der Verein der Region an Wirtschaftskraft?
Fotostand / WeilandZusammenfassung Neu
Was bringt der FC Energie Cottbus der Lausitz und was ist der Zweitligist der Stadt wert? Diese Fragen beschäftigt die Kommunalpolitik. Eine teure und zuvor diskutierte Studie zur Wirtschaftskraft des Fußballvereins für die Region im Auftrag der Stadt ist vom Tisch. Deshalb packt der FCE jetzt selbst Zahlen auf den Tisch.
Und die können sich sehen lassen: Mit aktuell 6617 Mitgliedern (Stand: 12. Juni 2026) sei der FCE auf einem Rekordhoch, wie Ernst Thierfelder, Projektleiter der Konzeptstudie, vor dem Wirtschaftsausschuss sagt. Das sei deutlich mehr als noch in den 2000er Jahren, in denen die Cottbuser in der 1. Bundesliga kickten (2541).
Auch die Zuschauerzahlen steigen signifikant. Vor einem Jahr schon knackte der FCE erstmals seit 16 Jahren wieder die 200.000er-Marke in einer Spielzeit - seinerzeit spielte Energie in der Saison 2008/09 noch erstklassig. Auch in der abgelaufenen Aufstiegssaison stieß der Klub mit 244.296 Zuschauern in ähnliche Sphären vor. Die Sponsorenerlöse in der jüngsten Drittliga-Runde lagen bei fünf Millionen Euro.
So viel Geld spült Energie in Kassen der Unternehmen in Cottbus
„Der Verein ist ein Wirtschaftsfaktor der Region“, betont Thierfelder. Er beruft sich auf Zahlen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Industrie- und Handelskammer (IHK). Demnach generiere der FCE zusätzliche Umsatzerlöse zwischen 1,7 und 3,4 Millionen Euro pro Jahr. Vor allem die Hotel- und Gaststättenbranche profitiere davon.
Schließlich müssen die Gegner, die nach Cottbus kommen, hier schlafen, essen und trinken. Und auch die Fans lassen sich im Stadion Bockwurst und Bier schmecken. „Das ist Umsatz, das bringt Steuereinnahmen“, so Thierfelder. Möglich machen das die 120 Beschäftigten des Vereins.
Der FC Energie hat selbst eine durch Fördermittel finanzierte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, in deren Fokus die Zukunft des Leag Energie Stadions steht – deren Ergebnisse werden aber erst Ende 2027 erwartet.
Deutlich früher sollen Erkenntnisse zu einer Betreibergesellschaft für ein mögliches neues Stadion vorliegen. In der Diskussion ist ein Konstrukt zwischen FC Energie, der Stadt Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße. Dabei gehe es um die Akquise von Fördermitteln. „Ein Verein allein wird nicht gefördert, eine Betreibergesellschaft schon“, so Thierfelder. Vorschläge für eine mögliche Betreibergesellschaft sollen im September 2026 vorliegen.
„Ein neues Stadion kostet 100 bis 120 Millionen Euro.“
Ernst Thierfelder
Projektleiter der Konzeptstudie des FCE
Obwohl die Machbarkeitsstudie zum Stadion erst am Anfang steht, laufen die Diskussionen schon heiß: Soll das Stadion im Herzen von Cottbus umfassend saniert, neu am selben Standort aufgebaut werden oder an einen gänzlich neuen Ort ziehen? Alles sei möglich, wie Thierfelder betont. Die in Auftrag gegebene Studie sei bewusst ergebnisoffen angelegt.
Kann es bei Energie Cottbus wie in Chemnitz oder Erfurt laufen?
„Ein neues Stadion kostet 100 bis 120 Millionen Euro“, rechnet Thierfelder vor. Andere ostdeutsche Städte hätten das Geld dafür in die Hand genommen. In Chemnitz wurde beispielsweise 2016 das neu gebaute Stadion an der Gellertstraße eröffnet. 30 Millionen Euro hat es gekostet, Eigentümer ist die Stadt. Der CFC, der seit sechs Jahren in der vierten Liga spielt, zahlt eine nach Ligazugehörigkeit gestaffelte Pacht und trägt die Kosten für den laufenden Betrieb.
Auch die Stadt Erfurt hat das Steigerwaldstadion für seinen Viertligisten im Jahr 2016 saniert und zu einer Multifunktionsarena umgebaut. Das hat 44 Millionen Euro gekostet, wurde zum Großteil durch Fördermittel des Freistaates Thüringen finanziert. Das Stadion gehört der Stadt, das Geschäft läuft über eine Betreiberfirma.
Bleibt die Heimat von Energie Cottbus im Eliaspark? Oder werden Stadt und Verein eines Tages ein neues Stadion an einem ganz anderen Standort bauen lassen? Alles ist offen, eine Machbarkeitsstudie behandelt gerade diese und andere Fragen.
Michel Helbig
In der 2. Liga rechnet Energie mit höheren Einnahmen, vor allem bei den TV-Geldern. In der 3. Liga hätten diese bei 1,4 Millionen Euro pro Saison gelegen. In der 2. Bundesliga berechnen sich die Gelder nach der Platzierung in der Tabelle. Der Erste bekommt demnach 22,4 Millionen Euro, aber selbst der Letzte erhält mit 8,5 Millionen Euro noch das Achtfache von einem Drittliga-Teilnehmer.
Neues Energie-Stadion am Cottbuser Ostsee? Vieles ist möglich
Wer mit einem neuen Stadion-Standort liebäugelt, schaut oft in Richtung Cottbuser Ostsee, der ja auch einmal das zweite Zentrum der im Strukturwandel wachsenden Lausitzmetropole werden soll. Entscheidend für die Standortwahl seien gute Erreichbarkeit, beispielsweise über die Autobahn, aber auch ausreichend Parkplätze, so Thierfelder.
Bei Heimspielen zeigt sich schon heute, dass die 600 Stellplätze am Stadion keineswegs ausreichen und die Nerven der Fußballfans sowie der Anwohner gleichermaßen arg strapaziert werden.
Ein möglicher Ausweg, um den Standort am Eliaspark aufwerten zu können: ein Parkhaus über mehrere Etagen. „Das kommt auch den Messehallen zugute“, so Thierfelder. Diese liegen vis-à-vis und nutzen dieselben begrenzten Parkmöglichkeiten, was in der Vergangenheit bei Konzerten großer Stars wie Roland Kaiser ebenfalls zum Problem wurde.